Kapitaler Motorschaden

Service in freier Werkstatt – darf Stellantis sich nach Motorschaden querstellen?

Keine Stellantis-Kulanz nach Service in freier Werkstatt

Stellantis-Steuerkette – Wo liegt das juristische Problem?

Stellantis bietet nach Steuerkettenriss bei Opel, Peugeot, Citroen und DS großzüge Kulanzregeln und sogar eine Art Sondergarantie. Viele Autobesitzer  müssen allerdings darauf verzichten, da für den Service freie Werkstätten aufgesucht wurden.

Wir begleiten Massenschadensfälle seit über 10 Jahren.

Udo Schmallenberg

Journalist

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Wer zahlt nach Steuerkettenriss?

Wer ein Fahrzeug der Marken Peugeot, Opel, Citroën oder DS fährt, blickt beim Thema Steuerkette und Nockenwellenkette oft auf ein teures Schadensrisiko. Speziell der weit verbreitete 1.5 BlueHDi Dieselmotor (Baujahre 2017 bis 2023) geriet wegen vorzeitigen Kettenverschleißes und daraus resultierender kapitaler Motorschäden massiv in die Schlagzeilen.
Betroffene Fahrzeugbesitzer stehen nach einem Motorschaden vor einer existenziellen Frage: Welche Schadensersatzansprüche habe ich direkt gegen den Hersteller Stellantis?
 
Die juristische Antwort mag überraschen: Rechtlich gesehen haben Besitzer im Regelfall keinen Anspruch auf Schadensersatz gegen Stellantis. Finanziell sind Betroffene dank einer Sonderregelung dennoch umfassend abgesichert. Das Zusammenspiel aus deutscher Rechtsprechung und der Konzernreaktion gestaltet sich wie folgt.
 
Möchte ein Autobesitzer den Hersteller direkt (außerhalb der Händler-Gewährleistung) auf Schadensersatz verklagen, behilft sich das deutsche Recht üblicherweise mit dem Deliktsrecht (§ 823 Abs. 1 BGB). Dieses greift, wenn das Eigentum des Käufers beschädigt wurde. Bei einem riss- oder verschleißbedingten Motorschaden durch eine fehlerhafte Kette scheitert dieser Weg jedoch an der sogenannten Stoffgleichheit.
  • Die rechtliche Logik: Wenn ein fehlerhaftes Einzelteil (die Kette) untrennbar mit der Gesamtsache (dem Motor) verwebt ist und deren Ausfall unmittelbar die Gesamtsache zerstört, liegt eine wirtschaftliche Identität vor. Der Mangel der Kette ist stoffgleich mit dem Schaden am Motor.
  • Das BGH-Urteil im Hintergrund: Der Bundesgerichtshof (BGH) bewertet solche Schäden nicht als “Eigentumsverletzung” am Auto, sondern als reinen kaufrechtlichen Vermögensschaden. Da der Kaufvertrag jedoch mit dem Autohändler und nicht mit Stellantis geschlossen wurde, ist der Hersteller deliktisch nicht haftbar. Das Kaufrecht schützt das Äquivalenzinteresse (eine mangelfreie Sache zu erhalten) und verweist Betroffene ausschließlich an den Verkäufer – innerhalb der kurzen gesetzlichen Gewährleistungsfristen.

Die Rettung für Besitzer

Da der Klageweg gegen den Hersteller aufgrund der Stoffgleichheit versperrt ist und die Gewährleistung des Händlers bei älteren Gebrauchtwagen meist abgelaufen ist, stünden Verbraucher schutzlos da. Um behördlichen Zwangsmaßnahmen und Imageschäden zuvorzukommen, hat Stellantis ein umfassendes Garantie- und Kulanzprogramm aufgelegt, das die rechtliche Lücke schließt:
  • 100 % Kostenübernahme: Stellantis übernimmt bei Schäden an der Nockenwellen- oder Steuerkette die Kosten für Material und Arbeitszeit vollständig.
  • Langzeitschutz: Die Sondergarantie greift für einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren oder maximal 240.000 Kilometer Laufleistung ab Garantiebeginn.
  • Rückwirkende Erstattung: Wer den Schaden in der Vergangenheit (zwischen dem 1. Januar 2023 und Mitte 2025) bereits selbst bezahlt hat, kann die Kosten rückwirkend über das offizielle Stellantis-Support-Portal zurückfordern.

Hürde freie Werkstatt

Ein häufiger Streitpunkt ist die Durchführung der regulären Inspektionen. Viele Autofahrer lassen den Service in freien Werkstätten durchführen. Stellantis versucht in der Praxis oft, Kulanzanträge mit Verweis auf eine fehlende markeneigene Wartungshistorie abzulehnen.
Hier steht das Recht jedoch auf der Seite der Verbraucher: Nach der EU-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) dürfen Hersteller Garantieleistungen nicht pauschal verweigern, nur weil eine freie Werkstatt die Wartung vorgenommen hat.
 
Besitzer müssen allerdings strikte Bedingungen erfüllen und lückenlos nachweisen, dass:
  1. Die Inspektionen exakt nach den offiziellen Herstellervorgaben durchgeführt wurden.
  2. Das von Stellantis vorgeschriebene Motoröl mit der exakten Freigabenorm verwendet wurde (da Rußeintrag im Öl die Kettenlängung massiv beschleunigt).
Wer von der Steuerkettenproblematik bei Stellantis betroffen ist, sollte den Gerichtsweg gegen den Hersteller meiden – die Hürde der Stoffgleichheit ist im deutschen Recht nahezu unüberwindbar.
Stattdessen führt der Erfolg ausschließlich über den administrativen Weg:
  • Sichern Sie alle Wartungsnachweise, Prüfprotokolle und Ölrechnungen der letzten Jahre.
  • Suchen Sie bei Rasselgeräuschen oder einem Kettenriss zwingend eine autorisierte Stellantis-Vertragswerkstatt auf.
  • Lassen Sie die Diagnose und den Kulanzantrag direkt über das System des Herstellers einsteuern, bevor Reparaturen vorgenommen werden.

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    Nicht verstanden? Dann erkären wir es einfacher

    Es ist in Bezug auf die Steuerkette nicht möglich, mit den üblichen juristischen Strategien Schadenersatz vom Hersteller zu fordern, Das muss man nicht verstehen, aber vor Gericht ist dieser Weg über die sogenannte “Stoffgleichheit” verbaut. Allerdings gibt es andere Ansprüch und im Fall Stellantis-Steuerkette auch die Möglichkeit, gegen die ungleiche Behandlung von Geschädigeen vorzugehen, die keine “blütenweiße” Inspektionshistorie vorweisen können. Fazit: Wurden alle Inspektionen vorschriftsmäßig erledigt – egal wo – muss der Betroffene die Kulanzregelungen im Rahmen der Stellantis Sondergarantie in Anspruch nehmen können. Dabei muss aber nachgewiesen werden können, dass der zum Zeitpunkt des Inspektionstermins vorgeschriebene Öltyp verwendet wurde.

     

    bringen Sie Ihre Unterlagen in Ordnung und prüfen Sie, ob die ausführende Werkstatt die Inspektionen fristgerecht und nach Herstellervorgaben durchgeführt hat.

    Stellantis hat für verschiedene Motoren mit Steuerketten- oder Zahnriemenproblemen (insbesondere 1.2 PureTech und 1.5 BlueHDi) eine neue Ölspezifikation eingeführt. Vorgeschrieben ist nun zwingend ein 5W-30 Motoröl mit der Norm Stellantis FPW9.55535/03.

    Stelantis stellt sich nach unseren Erfahrungen erst eiinmal grundsätzlich quer, vielfach muss die Sondergarantie eingeklagt werden. Ob dieses Recht eingeklagt werden kann, hängt von der Prozessstrategie Ihres Anwaltes ab.

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    FAQ zum Thema Motorschaden

    Ein Motorschaden ist ein vergangenes, aktuelles und zukünftiges Schadensereignis, das einen Verbrennermotor oder die Antriebseinheit eines E-Autos außer Betrieb setzt oder die Nutzung zumindest teilweise erheblich behindert. Dabei unterscheiden wir zwischen Motorschäden innerhalb und außerhalb der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Autos und konzentrieren uns auf Schäden, die zwischen 0 und 160.000 Kilometern eintreten.

    Autos müssen wenigstens 160-.000 km Laufleistung erreichen. Dieser wert ist ergebnis eines Prozesses und als Grenzwert in ie juristische Bewertung relevant geworden. Über 160.000 km steigt die Gefahr eines wirtschaftlichen Totalschadens, da eine Reparatur nicht lohnt. Der Motorschaden wird dann nicht mehr voll umfänglich für die Schadensberechnung herangezogen, da auch weitere Bauteile aufgrund der vorherigen Nutzung nicht mehr lange halten sollten.

    Wir sind Journalisten (Recherche), Rechtsanwälte (Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen) und Gutachter (Beweissicherung, Feststellung von Schadensursachen). Sie sprechen uns an und wir klären, ob jemand für den eingetretenen Schaden verantwortlich gemacht werden kann.

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