Kapitaler Motorschaden

Fatale Folgen zu später Ölwechsel

Zu lange Ölwechselintervalle sind ein Motorkiller

Die Longlife-Falle

Motoren bekommen es mit immer schwierigeren Bedingungen zu tun – eigentlich sollten Ölwechselintervalle verringert werden – die Hersteller sehen das anders.

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Udo Schmallenberg

Journalist

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Wie zu lange Ölwechselintervalle Motoren zerstören

Die Ausweitung der Ölwechselintervalle auf bis zu 30.000 Kilometer oder 24 Monate (sogenannter Longlife-Service) gilt in der Motoreninstandsetzung als eine der Hauptursachen für vorzeitigen Verschleiß und kapitale Motorschäden. Was im Prospekt als kostensparend und umweltfreundlich beworben wird, entpuppt sich in der Praxis oft als wirtschaftliche Absicherung für die Leasingzeit – auf Kosten der Langzeithaltbarkeit.

Die physikalisch-chemische Kettenreaktion im Motor
Ein modernes Motoröl muss unter extremen Bedingungen funktionieren. Wird es zu lange im Motor belassen, bricht das gesamte chemische Schutzsystem schrittweise zusammen. Dieser Prozess verläuft in vier fatalen Phasen:
Verschleiß der Additive (Säureschutz bricht ein)
       │
       ▼
Thermische Oxidation (Das Öl dickt ein / "Crackt")
       │
       ▼
Bildung von Schwarzschlamm & Ölkohle
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       ▼
Verstopfung von Kanälen & Mangelschmierung

Abbau der Scherstabilität (Viskositätsverlust)

Motoröle enthalten sogenannte VI-Verbesserer (Moleküle), die dafür sorgen, dass das Öl bei Kälte dünnflüssig genug für den Start ist, bei Hitze aber nicht wie Wasser abreißt. Durch die permanenten mechanischen Kräfte im Motor werden diese Moleküle im Laufe der Kilometer regelrecht zerhackt. Das Öl verliert seine Scherstabilität. Es wird im heißen Zustand zu dünnflüssig, wodurch der Schmierfilm unter hoher Last abreißt.

Kraftstoffverdünnung und Kondenswasser

Bei jedem Kaltstart und in der Warmlaufphase kondensiert Kraftstoff an den kalten Zylinderwänden und gelangt an den Kolbenringen vorbei in die Ölwanne.
  • Normalbetrieb: Bei langen Autobahnfahrten heizt sich das Öl auf über 90 °C auf, sodass Wasser und Benzin wieder verdampfen.
  • Kurzstreckenbetrieb: Das Öl erreicht nie seine Betriebstemperatur. Der Kraftstoff reichert sich permanent im Öl an. Das Öl verliert rasant an Schmierfähigkeit und wäscht den schützenden Ölfilm von den Zylinderwänden.

Oxidation und Schwarzschlammbildung

Je länger das Öl den heißen Verbrennungsgasen (Blowby-Gase, die am Kolben vorbeiströmen) ausgesetzt ist, desto stärker oxidiert es. Die im Öl enthaltenen Reinigungs-Additive (Detergentien) sind irgendwann gesättigt und können Ruß- und Schmutzpartikel nicht mehr in Schwebe halten. Der Schmutz setzt sich ab. Es entsteht hochgradig abrasiver (schleifender) Schwarzschlamm.

Ölkohle-Bildung an Hotspots

An extrem heißen Bauteilen, wie der Rücklaufleitung des Turboladers oder den Kolbenringen, beginnt alterndes Öl zu “verkoksen”. Es entstehen steinharte Ablagerungen (Ölkohle).

 

Die typischen Schadensbilder in der Werkstatt

Die Folgen von überzogenen Intervallen betreffen fast immer dieselben, empfindlichen Bauteile im Motorinneren:
  • Verstopfte Ölsiebe und Kanäle: Der Schwarzschlamm setzt das feine Sieb vor der Ölpumpe zu. Die Pumpe saugt Luft an, der Öldruck bricht ein und es kommt zum sofortigen Lagerschaden an Kurbelwelle und Pleueln.
  • Längung der Steuerkette: Moderne Steuerketten reagieren extrem empfindlich auf Rußpartikel im Öl. Das alte Öl wirkt wie Schmirgelpapier in den Kettengliedern. Die Kette längt sich, der hydraulische Kettenspanner (der ebenfalls durch Ölschlamm blockiert sein kann) kann nicht mehr nachführen. Die Kette springt über – Totalschaden durch Ventil-Kolben-Kollision.
  • Zugebackene Ölabstreifringe: Die feinen Bohrungen in den Kolbenringen verstopfen mit Ölkohle. Der Ring kann das Öl nicht mehr von der Zylinderwand kratzen. Folge: Das Auto verbrennt massiv Motoröl (oft über 1 Liter auf 1.000 km), was wiederum den Katalysator oder Partikelfilter zerstört.
  • Turboladerschäden: Die Lagerwelle des Turboladers dreht sich mit bis zu 250.000 U/Min und wird rein durch den Öldruck zentriert. Verschlammtes Öl blockiert die hauchdünnen Zuleitungen. Das Lager läuft trocken und die Welle bricht ab.

Warum gibt es dann überhaupt “Longlife”-Intervalle?

Die Einführung von Longlife-Intervallen hatte primär zwei Gründe, die wenig mit der technischen Haltbarkeit über 150.000 Kilometer hinaus zu tun haben:
  1. Flottenkunden und Leasinggesellschaften: Für Firmen, die Autos nach drei Jahren oder 100.000 Kilometern abgeben, sind die Wartungskosten ein entscheidendes Kaufkriterium. Ein Auto, das nur halb so oft in die Werkstatt muss, kalkuliert sich im Leasing billiger. Die Quittung für die mangelnde Schmierung zahlt meist der Zweit- oder Drittbesitzer auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
  2. Umwelt- und Entsorgungsauflagen: Weniger Ölwechsel bedeuten statistisch weniger Altölaufkommen, was in den Umweltbilanzen der Hersteller positiv verbucht wird.

Der Ausweg: Festintervall als Lebensversicherung

 
Wer sein Fahrzeug über die Garantie- oder Leasingzeit hinaus fahren möchte, sollte das Longlife-Prinzip ignorieren und das Fahrzeug softwareseitig auf ein Festintervall umstellen lassen.
  • Die goldene Regel: Wechseln Sie das Motoröl alle 10.000 bis maximal 15.000 Kilometer oder streng einmal im Jahr (je nachdem, was zuerst eintritt).
  • Bei extremem Kurzstreckenprofil (Arbeitsweg unter 15 km) sollte das Intervall sogar auf 8.000 bis 10.000 Kilometer verkürzt werden.
  • Kosten-Nutzen-Rechnung: Ein vorgezogener Ölwechsel in einer freien Werkstatt kostet inklusive Filter meist zwischen 80 und 150 Euro. Ein durch Ölschlamm verursachter Motorschaden bewegt sich im Bereich von 4.000 bis 12.000 Euro. Finanziell rechnet sich die Prävention bereits ab dem ersten verhinderten Großschaden.

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    Unser Gutachter für Motorschäden

    Dr. Dipl. Ing. Frank Will, MBA, ist CEO von Ino8 Pty Ltd und verfügt über 35 Jahre Erfahrung in der Automobilindustrie sowie in der Motorenentwicklung und -erprobung, darunter 18 Jahre bei der Ford Motor Company und 5 Jahre an der Deakin University, bevor er Ino8 gründete.

    In den USA, Europa, Japan, China und Indien hält er über 20 erteilte Patente. Eine seiner Erfindungen ist ein Wärmemanagementsystem, das den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen von Fahrzeugen um über 8 % reduziert. Teile des Systems wurden schon von 10 Automobilherstellern implementiert.

    Er wurde in verschiedenen Ländern mit 15 Preisen geehrt, ist Fellow der Society of Automotive Engineers Australasia (SAE-A) und wurde von mehreren Gerichten als Sachverständiger bestellt, wie bspw. zu einem Verfahren, in dem es um den Kraftstoffverbrauch eines modernen Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeugs (PHEV).

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